…ohne Fleiß kein Schweiß und ohne Lötkolben keine Brandblasen

Filed under: Aus dem OV | dj4pk @ 2014-06-20 3:29:39 pm

von Stefan, DL8SFZ

Es war schon immer eine kleine Herausforderung, aus dem kleinen Hügel von Bauteilen ein funktionierendes Fertigteil herzustellen. Selbst die einfachsten Dinge können sich als zähe Brocken erweisen, wenn sich die verflixte Technik in der praktischen Ausführung nicht an das hält, was man landläufig darüber behautet. Was wird also alles passieren, wenn man sich an was großes traut?

Im März diesen Jahres habe ich mich dazu entschlossen, endlich ein „richtiger“ Funkamateur zu werden. Also nicht mehr nur Antennen bauen

oder sonst so einen kleinen Bausatz, den man nur alle paar Schaltjahre braucht, sondern endlich mal einen echten Transceiver! Nicht nur für CW, nein, der soll dann auch SSB können. Nicht nur ein Band, nein, er soll schon mehrere Kurzwellenbänder abdecken, vielleicht sogar auch erweiterbar sein. Nach langer Suche und viel hin und her entschied ich mich für den Speaky von der QRP-Group. Drei der fünf möglichen Bänder wurden gleich mitbestellt, hier entschied ich mich für 40m, 20m und 17m. Gut, alles zusammen in Einzelteilen, ohne Gehäuse kostet schon so viel wie mancher fertige Transceiver aus dem einschlägigen Internetauktionshauses, aber der Spaßfaktor sollte endlich die Männergefühle auslösen, die man nur beim zusammenlöten der Bauteile erleben kann, wenn der Stolz des Gelingens sich mit der Freude des Funktionierens vermischt. Kurzum, wenn man sich freut wie ein kleines Kind! J

Aber am Anfang der Freude hat der liebe Gott den Fleiß gesetzt. Zuerst einmal die komplette Baumappe durchlesen, damit man weiß, was da auf einen zukommt. Dann sollte man mal alle Bauteile sortieren und entsprechend anordnen, sodass man bei der Arbeit auch voran kommt und nicht jedes Mal aufs Neue den kompletten Stapel durcharbeiten muss. Und ich sag euch, so ein kleiner Transceiver besteht aus verdammt vielen Teilen…. Alle Kondensatoren fein säuberlich auf einer Styroporplatte aufgereiht, schön der Größe nach, alle Widerstände an den fuzelkleinen Klebestückchen mit dem gemessenen Wert gekennzeichnet (Ja, da staunt ihr! Und ja, ich kenne sehr gut die Farbcodierung der Widerstände. Aber habt ihr schon mal versucht, diese mickrigen Farbringe auf blauen Widerständen immer richtig zu definieren? Da vertraue ich der Digitalanzeige meines Meßinstruments deutlich mehr als meiner Interpretation…), die Transistoren ordentlich aufgereiht (Achtung, ESD, Lebensgefahr!!! Zumindest kommt es einem so vor, wenn man die Beschreibung dazu liest) und alle restlichen Teile übersichtlich gleichmäßig im Kistendeckel verteilt (Manches erklärt sich dann wirklich im Laufe des Projekts).

Alsbald war der Lötkolben heiss, die Lupenbrille bereit und das Schwämmchen feucht. Kennt Ihr das Gefühl, das erste Bauteil in die Platine zu stecken und endlich mal anzufangen? Das leichte Zögern, hab ich auch alles richtig vorbereitet? Stimmen die notierten Werte wirklich? Meint der Autor der Baumappe wirklich genau das, was ich verstehe? Egal, Widerstand durch die Platine, Lötkolben dran, Lötzinn drauf…. passt! Viele Mal wurde dann in den folgenden Tagen diese Prozedur durchgeführt und der Stapel an Bauteilen nahm kontinuierlich ab und dafür das Gedränge auf der Platine zu! Man lernte wieder schnell, was 103 und 104 bedeutet, das Augenmaß für das Biegeraster der Anschlußdrähte stellt sich wieder ein und auch das Abzwicken der überstehenden Drahtenden schießt nicht mehr die Reste durchs ganze Bastelzimmer. (Das ist übrigens ein ganz erlesenes Gefühl, wenn sich der 5mm-Stummel durch die Socke in die Fußsohle bohrt….)  Und kaum zu glauben, wenn man die einzelnen Baugruppen abgeschlossen hat, Spannung angelegt und eingeschalten hat, dann machten die Baugruppen sogar genau das, was sie sollten! Sowas macht Mut und gibt einem das Gefühl, dass am Ende doch noch ein funktionierender Transceiver dabei rauskommen kann.

Nach ein paar gemütlichen Lötwochenenden dann der letzte Schritt in Baugruppe 11, die letzen Übertrager und Drosseln gewickelt, ist das elektronische Gelöte abgeschlossen. So, nun schnell noch das Oszi angeschlossen, man will ja wissen, ob die vorletzte Baugruppe ja auch geht. Aber immer mit Bedacht, keine Kurzschlüsse mit den gefühlten 25 Meßkabeln und Drahtbrücken zu erzeugen! Netzteil ein, Schalter „on“, Oszi an, noch mal schnell kalibriert …. und…. ein leicht beissender Geruch steigt auf und füllte die Bastelbude langsam aus….. So ein …. Gelumpe! Was haste denn jetzt gemacht?!?!?! Ich muss euch hier leider alle enttäuschen, die jetzt meine Fehlbarkeit feiern wollen.  Meine Lötarbeiten waren alle perfekt, wie es sich später rausstellte. Es war das Oszi, das hier Duft- und Rauchzeichen von sich gab und den grünen Kathodenstrahl in Nichts auflöste. Sowas aber auch… ein fast neues Speicher-Oszi bis 20  MHz….. gerade mal 30 Jahre alt, kaum genutzt…. da muss ja praktisch gesehen noch Garantie drauf sein….  Also, Meßaufbau komplett wieder abgebaut, alles verräumt und die Werkzeugkiste geöffnet.

Schnell war der Deckel abgeschraubt und der Blick mit Lupenbrille strich über die große Platine….. nichts zu sehen! Keine klebrigen Flecken, keine schwarzen Stellen…. Puh…. zum Glück! Ein schaden an einem der IC´s oder Prozessoren hätte das Aus für das Gerät bedeutet. Mein Verdacht lenkte sich dann Richtung Netzteil, dort hauptsächlich zu den Kondensatoren. Aus der Erfahrung heraus dachte ich noch an ausgetrocknete oder ausgelaufene Elkos, als mein Auge an einer komisch verfärbten Perle hängen blieb. Nein, es war kein Elko, es war ein völlig veränderter Tantal-Elko, der ein jämmerliches Dasein fristete. Statt ockerfarben leuchtete nun ein rosarotes Etwas entgegen, das bei  vorsichtigem Berühren in kleine, harte Bröselchen zerbrach…. Es war also einer der drei Tantals, die hier auf einer Siebplatine angeordnet waren und die Platine für die Kathodenröhrenansteuerung zuständig waren. Kein Problem, die Platine war separat befestigt, alle Schrauben auf, Klemmungen vorsichtig zusammengedrückt und die Platine abgezogen. Erst jetzt war zu sehen, dass die 3, 4 weiteren Kondensatoren auf dieser Platine nicht mehr das waren, was sie sein sollten. Zum Glück sind die Serviceunterlagen so gut gewesen, dass ich alle Werte ermitteln und ersetzen konnte. Ja, genau hier kam dann die Kombination von Fleiß, Schweiß und Heiß zusammen…. Während ich auf der einen Seite kräftig mit dem Lötkolben die Lötaugen aufheizte, musste natürlich auf der anderen Seite die Bauteile mit den Fingern herausgezogen werden. Aber merke: Ein bereits durch den Hitzetod gestorbenen Kondensator kann noch eine draufgeben, wenn die spärlichen Reste einfach zwischen den Fingern zerbröseln und der noch resistente Anschlußdraht, der jetzt durch die „Brataktion“ mindestens 450 Grad drauf hat, sich sein Autogramm in die Fingerkuppe von Zeigefinger und Daumen brennt….

Aus jugendschutztechnischen Gründen dürfen die danach folgenden Äusserungen des Autors hier nicht abgedruckt werden. Dieser selber war sogar erstaunt, über was für ein Repertoire an Worten er verfügt, wenn eine Blutdruck- und Adrenalinerhöhende Situation eintrifft….

Später dann, also viel später, stand dann tatsächlich ein repariertes Oszi auf dem Schrank. Ja, es baut ungemein auf, wenn man selber einen Fehler gefunden und repariert hat! Umso mehr, wenn man den Schmerz am Finger bis dahin vergessen hat…..

Ach ja, übrigens, die Lötarbeiten waren dank der super Bauanleitung von der QRP-Group und den schnellen Hilfen im dortigen Forum und auch per Mail von Nikolai direkt eine tolle Sache, die Abschlußprüfung hat sogar funktioniert! Was sich gerade noch sehr in die Länge zieht ist das Gehäuse. Man will ja für ein „Lebenswerk“ nicht irgendein popeliges Gehäuse machen, nein, es soll ja was ganz besonderes werden. Über dieses Gehäuse berichte ich dann noch einmal extra, weil ich ein paar top Ideen habe, die es zu realisieren gilt. Jetzt muss die Trägerplatte für die ganzen Bedienelemente noch mechanisch gefertigt werden, alle Kabelbäume erstellt und verdrahtet, dann kommt der Abgleich. Und irgendwie bin ich mir sicher, dass das Gerät funktionieren wird!

Noch ist es nicht soweit, aber ich werde berichten und euch mit Bildern versorgen!

Gruß
Euer Stefan, DL8SFZ

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  1. […] Ergänzung zu Stefans Bericht von seinem QRP-Bauprojekt “Speaky” nun hier noch ein paar Bilder von […]

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