
Ich habe erst vor Kurzem beschrieben, wie ich mit der Elektronik in Berührung und ich über den CB-Funk zur Lizenz kam. Das war schon ein besonderer Weg. Aber neulich hatte ich mich wieder erinnert, wie denn der Weg so vom CB-Funk zum Amateurfunk war und musste selber herzlich lachen. Heute erzähle ich davon, wie holprig der Weg damals war.
Regelmäßig traf man seine Freunde auf dem CB-Funk. Ich war in einem CB-Funkverein organisiert, den „Eisbergen“, die zwar nicht so professionell wie die „Edelweis“ unterwegs waren, aber wir waren ein Haufen von um die 25 Leute, die sich regelmäßig trafen und klönten. Ich weiß gar nicht mehr genau, wo das war, aber es war irgendwo zwischen Sirnau und Deizisau. Interessant waren dabei die Cracks, die nicht nur wussten, wie man eine Antenne anschließen muss, sondern auch noch in der Elektronik aufgingen! Dicht belagert begeisterten sie uns alle mit ihren Ratschlägen und Wissen. Hier war Wolfgang, Eisberg 07 der Star des Treffens. Nicht nur sein geballtes Wissen begeisterte uns, sondern auch seine lustige Art es zu präsentieren. Mit Witz und Spiel blieben so manche Grundregeln bis heute hängen.
Doch es war um das Jahr 1978 als sich in Esslingen der CB-Funk auch unter den Menschen verbreitete, um die man lieber einen Bogen machte. Halbkriminelle, die ohne mit der Wimper zu zucken an jedem Auto die Antenne abschraubten, die nicht doppelt und dreifach gesichert war, die sich damit rühmten, dass sie ein Pilz in 5 Sekunden leeren konnten und nach einer halben Kiste Bier noch Autofahren könnten. Und genauso ging es dann auf dem CB-Funk zu, man wurde geträgert, man wurde angepöpelt und Endstufen mit 400 Watt taten ihr Übriges. Und da kam mein Funkfreund Martin, Station Wendelin, um die Ecke und erzählte etwas von Amateurfunk, ruhige Frequenzen, nette Gespräche, auch mal Blödsinn, aber es klang so nach aufgeräumtem Wohnzimmer. Interessant… aber warum soll ich für etwas Quatschen auch noch lernen, Prüfung machen und dann auch noch jeden Monat dafür zahlen!?!? Ja, es waren auf 2m 80 Kanäle fast völliger Ruhe im Gegensatz zu 12 Kanäle Wahnsinn und Extremismus. Aber ist es mir das wert?
Drei Tage später, mein letztes QSO wurde von den Platzhirschen der Leistung und Brüllmodulationen zerstört, stolperte ich wieder bei Martin vorbei. Er zeigte mir das Frage- und Antwortbüchlein von der RegTP (Regulierungsbehörde für Telekomunikation und Post), ein Buch zum Lernen und zeigte mir, was da alles für tolle Sachen drinstehen. Gut, das sah alles machbar aus. Und auch die Gebühren schienen überschaubar, zumal mir gleich von Horst, der Nachbar von Martin und damals schon lizensiert verraten wurde, ich solle bei der Prüfung die Telefonnummer meiner Eltern angeben, dann würde die monatliche Gebühr gleich über die Telefonrechnung eingezogen…
Noch auf dem Heimweg zu mir, keine 500m, war mir klar, ich will die Lizenz machen. Die C-Lizenz reicht, UKW war so weitreichend für mich, das reicht für mich lange Zeit! Und so hielt das Frage- Und Antwortbüchlein Einzug in meinen Tagesablauf. Abends im Bett noch eine Seite, nachmittags bei den Hausaufgaben, manchmal auch anstatt der Hausaufgaben, im Freibad mit der Freundin, die sich herrlich darüber aufregte, wenn ich darin las und nicht ihr die Aufmerksamkeit schenkte. Wobei ich mich immer fragte, warum ich ihr beim Sonnenschlaf zusehen sollte… Ja, es gab so einige böse Blicke und Frotzeleien von ihr, aber ich zog es durch. Auf ihre Frage, warum ich das mache, sagte ich mal: Weißt du, Moni, wenn ich die Lizenz habe, die habe ich ein Leben lang, aber wer weiß, wie lange wir zusammen sind…. Okay, der Tod trat nicht sofort ein, aber an dem Tag war es besser, nicht bei ihr aufzuschlagen.

Und so ging ich dann nach rund einem Jahr lernen zur Prüfung. Die Oberpostdirektion war damals in Vaihingen in der Schockenriedstrasse. Prüfungstermin morgens um 10 Uhr, das war eine kommode Zeit und ich kam deutlich zu früh an. Aber kurz vorher wurde mein Adrenalinhaushalt noch auf Hochform gebracht. Ich musste von der Filderlinie nach links ins Industriegebiet abbiegen und dabei die Strassenbahnschienen queren. Ich startet also bei Grün, bog etwas flott nach links ab und fuhr mit heftigen Sprüngen über die Strassenbahnschienen in die Schockenriedstrasse, die genau auf die noch tiefstehende Sonne zuführte. Noch von den Bodenwellen durchgeschüttelt griff ich zur Sonnenblende und klappte die mit Schwung herunter… Dass sich dahinter eine ungefähr 2-Euro-Münze große Spinne zur Ruhe gesetzt hatte und sie vom schnelle Aufstehen nichts hielt, baumelte sie also an ihrem Faden mit weit gespreizten Beinen unmittelbar vor meinem Gesicht herum. Ich erschrak so derart, dass ich auf die Bremse stieg und noch bevor das Auto wirklich zum Stillstand kam, die Handbremse zog und aus dem Auto sprang. (Mir läuft es heute noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke) Zum Glück war kein weiteres Auto hinter mir. Ich stand ohne Herzschlag neben dem Auto und beobachtete die dicke Spinne, wie sie wild am Faden schaukelte. Nach ein paar Sekunden setze der Herzschlag wieder ein, ich reagierte, griff mutig zum Faden und schaukelte die Spinne neben das Auto. Säufzer, durchatmen, einsteigen, weiterfahren. Spinne gerettet und ich wach wie nach 3 Kaffee!
Bei der Prüfung angekommen ging es zu Frau Maier, die Perle des Amateurfunks bei der RegTP. Sie schaute meine Unterlagen durch und verlangte dann nach dem Zahlungsnachweis für die Prüfungsgebühr. Zahlungsnachweis? Prüfungsgebührt? Öhm… ach ja, da war doch noch was. Wollte ich das nicht schon längst erledigt haben? (Warum hat mich meine Mutter nicht daran erinnert?) Es lief mir siedendheiss den Rücken runter. Daran ist jetzt eindeutig die Spinne schuld. Gut, ich hatte zum Glück das Geld dabei und wollte dann in Bar zahlen. Nein, das geht leider nicht, es geht nur, wenn ich auf eine Bank gehe und es dort einzahle. Mist. Okay, es hat sich mal wieder rentiert, früher als notwendig dazusein. Wieder raus ins Auto, zur nächsten Bank in Vaihingen gefahren, Geld eingezahlt und wieder zurück, reingedüst zu Frau Maier, den gewünschten Wisch vorgelegt, meine Unterlagen geschnappt und ab zum Prüfungsraum. Auf der Treppe dorthin standen dann alle, die sich zur Prüfung angemeldet haben. Ich gesellte mich dazu und dann hörte ich, wie sich die Leute vorbereitet haben: „Also ich habe den Kurs von XY gemacht, das Buch von Professor AB gelsen, die Übungsaufgaben von da und da gemacht und ich hoffe nur, dass ich es schaffe!“ Ich traute mich gar nicht zu sagen, dass ich lediglich das Frage- und Antwortbuch gepaukt hatte und das Buch über die Technik mehr als Alibifunktion gesehen habe. Ja, ich gebe zu, in dem Moment war mir klar, es kann schiefgehen.
Im Prüfungsraum füllten sich langsam alle Plätze und wir mussten dann noch auf einen Nachzügler warten. Die Bögen wurden verteilt und es ging los.
Als erstes wurde die Technik abgefragt, danach eine kleine Pause und dann die Betriebstechnik und am Schluß, sozusagen als Ohrfeige an alle die Gesetzeskunde. Nach Abgabe der letzten Prüfung durften wir dann auf dem Flur auf die Auswertung warten. Endloses Warten. Endlich kam der Prüfer mit Frau Maier im Schlepptau um die Ecke und die Ergebnisse wurden verkündet. Hurra, ich hatte bestanden! Ich, der Frage-und Antwortbüchleinlerner hatte bestanden! Sogar die Technik für die damalige A-Lizenz hat es gereicht! Ich freuet mich riesig und Frau Maier teilte mir damals das Rufzeichen DG3SK zu, welches feinsäuberlich aus einer langen Liste herausgestrichen wurde. Tja, das war noch manuelle Datenverabeitung!
Auf dem Weg nach draußen hörte ich dann noch, dass der Oberstreber mit Kurs, Buch und Formelsammlung es nicht geschafft hat. Es tat gut, so die Prüfung geschafft zu haben. Ob die dabei gelernte Lerntechnik für meine berufliche Zukunft immer förderlich war, darf jeder selber bezweifeln! 😉
Ich fuhr nach Hause und musste die überquellende Freude über die bestandene Prüfung bei einem guten Mittagessen meiner Mutter erzählen, zusammen mit Spinnenerlebnis und Geldeinzahlungsmarathon, der natürlich mit einem Lächeln begleitet wurde. Das war November 1981. In den DARC bin ich erst 1983 eingetreten, ein Verein mit diktatorischen Zügen bezüglich dem OVV, der auf Knien angebetet werden sollte und die C-Lizenzler mit ihrer „Vorläufigen Betriebserlaubnis“ sich nur ans untere Ende des Tisches setzen durften. Aber es gab eine Jugendgruppe von ca. 10, 12 Leuten. Der OV-Kanal war unser Abstimmungskanal für die Freitagsabend-Ausflüge in die Disco, bei wem es zum Kaffeetrinken geht oder welcher Weihnachtsmarkt besucht wird. Der Anfang meiner Afu-Karriere. Ich hatte die Prüfung bestanden, ich hatte kaum Ahnung, wie vieles wirklich funktioniert, aber das kann man über die Jahre lernen. Ja, hat auch Jahre gedauert, bis so manches Wissen sich eingenistet hatte.
1996 habe ich dann zusammen mit einem Arbeitskollegen das Morsen gelernt, weil dieses noch die Zugangsvoraussetzung für die Kurzwelle war. Ich musste noch die Technikprüfung ablegen, auf die ich dieses Mal deutlich besser vorbereitet war. So war es keine Kunst, mit 99% richtige Antworten zu bestehen. Es hat sich gelohnt, denn die Kurzwelle ist eine tolle Welt der Kommunikation.
Wie war es bei euch? Lief alles Reibungslos oder gab es auch so schöne Holperer auf der Strecke zum Ziel?
Euer Stefan, DL8SFZ

Hallo Stefan,
interessanter Text, auch viele Stellen zum schmunzeln. Die Spinnenstory ist prima.
Damals schon ein Zeichen von oben für Spiderbeam oder Cobweb?… wer weiß.
Von meiner Prüfung weiß ich noch, dass ich auch ewig zu früh (in Reutlingen) war, um auf jeden Fall einen Parkplatz zu bekommen. Da durfte nichts schiefgehen. Hektik kann ich nicht leiden. Eigentlich wollte ich da mit dem Motorrad hin, hab mich dann aber doch fürs Auto entschieden weil Regen angesagt war. Nach der Prüfung hat es aus Eimern geschüttet und ich war klatschnass als ich wieder am Auto war. Schirm natürlich daheim vergessen. War aber völlig egal, weil Prüfung bestanden.
Gruß Udo
Genau, die bestandene Prüfung ließ einen über viele Dinge hinwegsehen. Irgendwie hatte man ein ähnliches Gefühl wie nach der bestandenen Führerscheinprüfung, Freiheit auf den Bändern!
Gruß Stefan
Hey Stefan!
Da entdecke ich tatsächlich viele Begebenheiten wieder. Bei mir war es ähnlich und ich weiss noch dass ich Frau Maier 4Stunden belagert habe. Damals sagte sie uns das Rufzeichen wird dann in ca. 3 Wochen zugeschickt. Mein Kommentar: Liebe Frau Maier ich habe jetzt anderthalb Jahre mit dem Fragenkatalog unterm Kopfkissen geschlafen und war 2mal die Woche beim Kursabend, glauben sie wirklich dass ich hier ohne mein Rufzeichen das Gebäude verlasse? Mit einem Lachen erwiderte sie: Dann müssen sie aber warten, das kann ein bisschen dauern. Ich bekam ein dickes Telefonbuch vorgelegt und da wo ein Zettel rausguckt kann man sich ein Rufzeichen raussuchen. Das war 1993 glaub ich, dafür bin ich heute immer noch dankbar. Die Frau Maier hatte ein gutes Herz, solche Mitarbeiter gibt es schon lang nicht mehr.
Wie immer ein toller Beitrag aus deiner Feder.
Vy 73 de Klaus,,DG1SGW.
Hallo Klaus,
beim zweiten Rufzeichen hat uns Frau Maier rausgescheucht und 10 Minuten später mit einem Notizzettel abgefragt, was wir wollen und was geht. Dann hat jeder gesagt bekommen, was sie einträgt und man ist mit dem Rufzeichen heimgegangen oder, so wie bei mir, konnte ich 3 Stunden später anrufen, ob mein Wunschrufzeichen in Ordnung geht. Und dann aber sofort auf den Funk mit dem neuen Rufzeichen zur Verwirrung einiger OM. Hach, das waren noch Zeiten. Ja, die Frau Maier war eine klasse Frau an dieser Position, sowas braucht man aber auch, dann macht das Leben samt Arbeit einfach mehr Spaß!
Danke Hansjörg für deinen Kommentar,
du bist einer meiner treuesten Leser, zumindest einer von denen, die auch mal einen Kommentar dalassen. Ja, es gibt viele Teile in meinem Leben, da erinnere ich mich noch, als ob sie erst vor wenigen Tagen gewesen wären. Die Spinne und die Überweisung gehören da voll dazu! :-)
Gruß Stefan
Hallo Stefan …
wie immer eine nette Geschichte aus deiner Amateurfunkzeit. So gan erinnere ich mich nicht mehr an die Prüfung. Weiß aber daß es ebenfalls 1981 für die C-Lizenz (DG9SB) war und 1984 auf die damalige A-Lizenz ergänzt wurde. Natürlich war damals ebenfalls die Frau Mayer für die Rufzeichenvergabe zuständig und ich durfte aus ihrer Rufzeichenliste (weil ich damals als einziger ebenfalls 99% der Technikfragen richtig hatte) mein Rufzeichen (DH1SAV).
Weiter so mit deinen Geschichten, Stefan.
73 de Hansjörg, DH1SAV