
Irgendjemand verlässt meine Bastelecke regelmäßig immer unaufgeräumt. Und das schon seit vielen Jahren! Immer dann, wenn ich etwas „mal ganz schnell“ machen möchte, liegt von den vorherigen Projekten noch alles herum. Wehe, wenn ich den erwische, der da nicht aufräumt.
Also habe ich mich (mal wieder) dazu aufgerafft, die Spreu vom Weizen zu trennen, also Gut von Schlecht zu trennen und möglichst viel dem Mülleimer zuzuführen. So zumindest der Plan. Aber Pläne sind selten stabil. Erst recht, wenn heiliges Material WEGGEWORFEN werden soll. Und wir kennen das alle, was ich gestern weggeworfen habe, wird heute dringend gebraucht, obwohl es davor unendliche Jahre in der Schublade gelegen hat.
So geht man also logisch an die Sache. Zuerst wird alles, was nach Werkzeug aussieht, aus dem großen Berg heraus sortiert und an die letzte freie Stelle gestapelt, besser noch, gleich an den Platz gelegt, wo es auch hingehört. Erstaunlich dabei, was man vieles wiederfindet, was man in der Zwischenzeit gesucht und nicht gefunden hat! Nach diesem ersten Schritt schaut das Chaos schon besser aus, aber jetzt geht es an Schritt zwei, der den inneren Schweinehund stark strapaziert, dem Teufelchen auf der linken Schulter Nahrung bietet und dem Engelchen auf der rechten Schulter die Tränen in die Augen treiben wird. Manchmal auch umgekehrt. Welcher Drahtrest ist noch lange genug, um den Weg zurück in die Sammelkiste zu finden, welches Alustückchen hat noch genügend Material, um es noch verwenden zu können und vor allem, nach welchem System wird sortiert, dass man das wiederfindet, was man in ferner Zukunft braucht?
Nach zirca einer Stunde stellt man fest, dass man viel zu sparsam wegwirft, viel zu viel bunkert und die Materialkiste für kleine Reste schon wieder überquillt, im Mülleimer dagegen gerade mal der Boden bedeckt ist. Jetzt flüstert das Teufelchen: „Siehst du, das alles muss du aufheben, wertvolles Material, das du unbedingt brauchst“.
Und schon spricht das Engelchen von der anderen Schulter: „Stefan, das ist doch eigentlich alles viel zu kleiner Gruscht, den brauchts du doch nicht mehr! Werf ihn weg und kaufe zum Projekt lieber neu!“
Den weiteren Schlagabtausch von Engelchen und Teufelchen erspare ich euch. Wobei es bei mir nur das virtuelle Engelchen und Teufelchen ist, das da zankt, bei vielen OM sitzt das Teufelchen in der Bastelecke und räumt während das Engelchen skeptisch zur Türe reinschaut und ganz ohne Worte, nur mit Blicken ähnliche Aussagen in den Raum stellen kann!
In meiner Jugend war meine Mutter das Engelchen, das eigentlich zwei ganz einfach Aussagen in den Raum stellte. Erste Aussage war, ich muss mit dem Staubsauger überall durchkommen und was im Rohr und Auffangbehälter klappert, hat ausgeklappert! Die zweite Aussage war dann ein Totschlagargument für selbstständige Entscheidung und freiheitliche Entwicklung: Es kommt Besuch, also sieh zu, dass es ordentlich aussieht! Diese Aussage gleicht einem Gewaltakt, denn meist war die Vorlaufzeit aus Sicht eines pubertierenden Jugendlichen sehr kurz bemessen! Wie soll man das in drei Tagen schaffen? Die Lösung meinerseits war dann recht einfach, man besorge sich zwei, drei Kartons in angemessener Größe, schiebe alles Material des Basteltisches in die Selbigen und verstaue diese dann im Kleiderschrank, hinter dem Bett und unter dem Schreibtisch. Spätestens dann, wenn in den Schubladen und Fächern des Basteltisches kein Werkzeug und Material mehr zu finden war, holte einen die Realität ein und man musste notgedrungen sich über die Kartons hermachen. Lästig, diese Sortierarbeit….
Ich sitze nun mal wieder in meiner Bastelecke und staune, was ich alles schon wieder angehäuft habe, bei dem ich meine, es irgendwann brauchen zu müssen. Mit bester Einstellung, heute wirklich, also wirklich, echt wirklich viel wegzuwerfen, gehe ich an die Sache ran und es fliegt wirklich viel in den Mülleimer, der nach wenigen Handgriffen voll ist und zusätzlich ein Karton herhalten muss. Ich bin stolz auf mich, wie mutig und großzügig ich ausmisten kann. Der große Mülleimer in der Mülleimerbox wird jubeln, wie viel er dieses Mal aufnehmen darf. Dort angekommen kostet es mich wirklich Überwindung, nicht doch noch mal nach dem einen oder anderen Teil zu greifen und zurückzuhalten. Nein, alles kommt weg, damit Platz für Neues entsteht!
Schon fast mit gebrochenem Herz entfernt sich der eingefleischte Bastler von der Entsorgungsstation und versucht sich mit dem wiedergewonnenen Platz anzufreunden. Ja, das ist doch toll, wie viele Fächer jetzt alle leer sind! Da kann ich doch endlich die beiden anderen Kisten aus dem Keller hochholen! Was ich darin wohl finden werde, an das ich mich nicht mehr erinnere? Ich hab ja jetzt Platz geschaffen….
Sollte sich einer der Leser bei diesen Zeilen ertappt fühlen, dann ist das rein zufällig bis absichtlich. Aber es zeigt dir den wichtigsten Punkt: Du bist nicht allein!
Euer Stefan

Klaus, das kann zwei Gründe haben: Entweder erinnert dich mein Artikel an deine eigene Aufgabe, mal wieder im Shack oder Keller den Worten von Margit nachzukommen oder es kribbelt, weil du schon so erfolgreich Gut und Schlecht getrennt und entsorgt hast! Lass mich raten, ersteres ist naheliegender… ;-)
Gruß Stefan
Komisch, nach dem Lesen deines Beitrags juckt meine Nasenspitze und meine Finger kribbeln.
Was ist das bloss?
Vielen Dank Stefan!