Endlich sind die Kinder erwachsen und man kann sich wieder seinen Hobbies widmen. So passiert es vielen OM und YL, wenn die Aufzucht des Nachwuchses langsam in die Endphase kommt. Die Amateurfunklizenz liegt jetzt mehr als 20 Jahre zurück und wir gehen auf einen Sonnenfleckenmaximum zu. Das lockt doch sehr, die Experimente mit Antennenbau beginnen zu lassen. Das war im Winter 2022.

Verschiedene KW Antennen ausprobiert

Zuerst probierte ich verschiedenste Antennen aus, wie ich damit zurechtkomme und wie sie unter meinen Bedingungen funktionieren: Doublet, EFHW, Dipol, mit Hühnerleiter und Baluns werden im Winter gebaut und einiges an Drahtantennen generiert, die dann im Frühjahr fleißig getestet wurden. Dazu war ich während des Urlaubs viel mit dem Wohnmobil unterwegs und an den Wochenenden im eigenen Garten.

Mein Fazit und Erkenntnis: Ja die Drahtantennen lassen sich mit etwas Übung in Astgabeln werfen, bleiben dann manches Mal auch oben hängen. Aber auch mindestens genauso oft findet man keine passenden Bäume. Dadurch entstand der Versuch, mit einer günstigen Angelrute dem Doublet einen Masten zu spendieren, doch das ist auch nicht so das wahre. Zumindest nicht für mich.

Etwas frustriert folgt ein kurzer Ausflug in die Welt der Magnetantennen. Klein und robust scheinen sie ja zu sein, aber so richtig Betrieb machen hat seine Ecken und Kanten. Die Antenne ist so schmalbandig, dass man ständig am Nachstimmen ist, um überhaupt etwas zu empfangen. Das war nicht meine Welt und ich habe das Teil der freien Marktwirtschaft wieder zugeführt.

Ich brauche eine Antenne, mit der das ganze Band abgedeckt ist. Im darauffolgenden Winter habe ich dann bei Youtube verbracht und bin auf M0MCX, Callum, gestoßen. Er bereichert die Amateurgemeinde mit netten kurzen Videos, Simulationen und anderen Ideen. Dabei zeigt er auch immer wieder seine Multiband-Vertikalantenne mit ihren Vorteilen, die sie haben soll. Sowas gefiel mir sehr, also starte ich die Umsetzung mit den in DL zur Verfügung stehenden Mitteln und baute mir einen DX Commander Classic nach.

Mein Modell sollte von 40m bis 10 m auf den klassischen Bändern arbeiten. Der Aufbau wurde im Garten durchgeführt und die Abstimmung der Strahler funktionierte gut.

Doch die erste Portabelaktion zeigte auch die Tücken der Antenne und eine leichte Frustration kam auf. Der Aufbau dauert lange und das Gewicht der Drähte ließ immer wieder den ungesicherten Masten zusammenfallen. Das Internet versprach Abhilfe mit Schlauchschellen, doch aus meiner Sicht ist das für einfachen und schnellen Aufbau der Antenne nicht das Gelbe vom Ei. Trotzdem hatte es mir diese Antenne irgendwie angetan und ich änderte meinen Plan.

Die Entscheidung wurde gefällt, ich orderte eine DX Commander Expedition. Die Bestellung erfolgt auf der Website von Callum und geht problemlos. Zum ersten Mal machte der Aufbau der Antenne Spaß und sie kam ein paarmal bei Portabel zum Einsatz. Mittlerweile steht die Classic als Festaufbau im Garten und wird da immer wieder für Sonntag nachmittags Aktivitäten genutzt.

Tja, und was mache ich jetzt für Portabel?

Irgendwann kommt man bei Youtubevideo Schauen bei einer weiteren Variante vorbei. Den Whip Antennen. Unabhängig, ob das jetzt eine von MFJ ist oder von JBC, es scheint eine interessante Portabelantenne zu sein. Da ja immer noch Selbstbau im Raum steht, entstand die Idee, einen 5,6m Teleskopstab von einem bekannten Chinesischen Versandhaus zu verwenden, der am Fuß mit einem M10 Gewinde ausgeführt ist. Als Stativ diente das Stativ von Gabil und vom Bau der DX Commander waren ja noch ein paar Radiale übrig. So verbrachte ich wieder ein paar Stunden in der Werkstatt und fertigte das fehlende Kleinmaterial an. Ich wollte mit dieser Antenne die Bänder von 20m bis 10m abdecken, was ja durch auseinanderziehen und zusammenschieben des Teleskops einfach abzustimmen war. Das war mein Favorit für Portabelbetrieb geworden, weil ich diese auch gerne bei Standmobil nutzen konnte.

So war das Thema Antenne mal erledigt. Okay, es kann jederzeit wieder was Neues um die Ecke kommen, aber im Moment war alles okay.

Transceiverentscheidungen

Mein erstes Portabelgerät war der IC-706MKG2. Die Idee war, dieses Gerät in eine Portable Go Box zu bauen, die alles beinhaltete und diese dann immer mitzunehmen. Sowas reduziert das Vergessen von wichtigen Teilen deutlich! Ja, die Idee hat funktioniert, war aber groß und unhandlich. Mein Problem bei meinen Antennen: Der 706 hat keinen eingebauten Tuner. Ich brauche auf alle Fälle einen Tuner. Es gibt zwar schöne manuelle Tuner, aber ich bin Faul und wollte diese Sache mit einem Knopfdruck erledigen. So entschied ich mich für etwas kompakteres und machte mich auf die Suche.

Mein Augenmerk fiel auf den Xiegu G90. Ein kompaktes Gerät mit bis zu 20 Watt Ausgangsleistung und eingebautem Tuner. Der Preis lag damals so um die 500 Euro, was für mich akzeptabel erschien. Die Vorteile lagen auf der Hand: Nicht nur ein kompaktes Gerät, sondern auch nur 750mA Ruhestrom. Der 706er zog das doppelte! Dadurch konnte ich meine Akkukapazität reduzieren und es reichten plötzlich zwei Akkus von Eremit mit jeweils 6Ah.

Ein Urlaub in Österreich hat mir dann noch gezeigt, dass 20W gegenüber 5W doch schon ein deutlicher Leistungszuwachs ist und einen Vorteil zu den klassischen QRP-Transceivern darstellt. Aber ich konnte oft nicht die Gegenstationen erreichen oder wenn, dann wurde ich nur schlecht gehört.

Es kam Corona, man durfte nicht mehr raus und ich machte mir wieder Gedanken über mein Set-Up der Station. War es die richtige Entscheidung? Gab es für meine Zwecke nicht vielleicht doch eine bessere Lösung?

Meine Anforderungen: Ein leichtes Gerät mit wenig Stromaufnahme, mehr Leistung wie der kleine Xeigu aber keine 100W. Nach einigen Internet Recherchen und auch nach vielen Videos von OH9STN bin ich auf den Lab599 TX500 gestoßen. Ein HF Transceiver mit 10W Ausgangsleistung und wenigen 100mA Stromaufnahme bei Empfang. Aber leider nur 10W Ausgangsleistung. Das war eine Einschränkung, dennoch kam der Transceiver auf die Merkliste.

Wie kann ich aus 10 Watt mehr Leistung machen? Klar, mit einer separaten Endstufe. Hier kam mir Oliver, DL4KA gerade recht. Er bot eine Endstufe passend zum Lab599 an. Genau so habe ich mir das vorgestellt und ich hatte mich für eine Neue Kombi entschieden. Gekauft hatte ich aber erst nur den Transceiver. Damit habe ich dann ca. 6 Monate Erfahrung gesammelt. Die Bedienung war Klasse das Display wesentlich größer als bei Xiegu G90. Also wurde dieser Verkauft und vom eingenommenen Geldsegen die Endstufe von Oliver geordert. Damit habe ich dann ab Herbst 2021 betrieb gemacht.

Portabel mit 2 kleinen Taschen, das war das, was ich mir vorgestellt habe. Eine Antennentasche und die Transceivertasche, alles noch etwas gewichtsoptimiert, dass man auch ein paar km damit laufen kann. Die Eckdaten der Ausrüstung: Der Transceiver mit PA wiegt 1486g die beiden Akkus die ich dabei habe sind 634g schwer. Die gesamte Funkausrüstung kommt dann mit Kabel Adaptern und Radials auf 7,5kg. Mit den beiden Akkus, die zusammen eine Kapazität von 12Ah haben, kann ich bequem einen Nachmittag lang Betrieb machen und es ist immer noch Reserve vorhanden.

Mittlerweile ist mir dann noch ein FT-991 über den Weg gelaufen, den ich für Standmobil einsetze. Die Transportbox aus der Zeit mit dem IC-706 wurde wieder belebt und so habe ich für diesen Einsatz wieder alles mit einem Griff im Fahrzeug!

Geschrieben von Gerold, DD4SG und Stefan, DL8SFZ